Sonntag, 10. Oktober 2010

Fadys Voice & Soul im Stage Club Hamburg

Mit meinem heutigen Bericht werde ich mich aller Wahrscheinlichkeit nach in die Nesseln setzen. Also weise ich vorsorglich schon mal auf die Kommentarfunktion hin, wo alle ihre Gegendarstellungen veröffentlichen können.

Zunächst sei vorausgeschickt, dass das Konzert super war. (Extra-Lob an dieser Stelle für die superbe Location - genau der richtige Rahmen, chillige Lounge-Atmosphäre.) Fady war Spitze, seine Stimme top. Er tanzte, nicht nur die Schwunghüft kam zum Einsatz, nein, auch einen Twist durften wir sehen. Er erzählte von Elvin, Notshoppingtouren, weil erst nach 200 km auffiel, dass das Ursprungsbühnenoutfit noch daheim steht, und plauderte über die Songs, von wem sie ursprünglich sind, wieso ihm diese Lieder etwas bedeuten, die "Jazzjungs" groovten. Ihr seht: es war toll. Das Programm war - bis auf "Some Music" - das gleiche wie in Berlin. Was also habe ich zu meckern, an diesem Konzert - vor allem, da ich ja auch begeistert bin?!

Weil vieles fehlte, was ich letzte Woche (für meine Verhältnisse :) ) so euphorisch bejubelt habe: Die unglaubliche Intensität, die Beredheit der "linken Hand", die kleinen "orientalischen" Gesten mit ebendieser linken Hand, die so klar und deutlich Gefühle transportieren und, ja, die Essenz der Songs zeigen, der in sich ruhende Fady, der selbstbewusst in die "Neue Welt" eintrat, "sein Ding durchzog" .... und gestern (und wieder füge ich ein: das gilt für mich, ich maße mir keine allgemeingültige Meinung an und freue mich auf den Meinungsaustausch in den Kommentaren*) aus dieser Neuen Welt wieder ein paar Schritte herauskam und sich - und es schmerzt mich, dies zu sagen, sich wieder ein wenig dem mainstream "gebeugt" hat - wohl als Folge der ihn erreichten Kritiken. Von denen, die ihn in einer Schublade sehen wollen (aber tu ich genau das nicht auch gerade, nur dass meine Schublade "Neue Welt" heißt? - Aber: ich bin Verfechterin der "mehrgleisigen Konzerte" - Jazz UND Pop/Rock UND Weihnachten UND Glam/Soul/whatever ). An Fadys Konzerten liebe ich von Beginn an, dass jedes Konzert anders ist, auch bei gleicher Setlist. Es gibt immer wieder Variationen, Neues zu entdecken, er nimmt uns jedes Mal auf eine ganz besondere Reise mit. Wie auch dieses Mal. Was also schreibe ich hier? Die Band war eine Band, die zwar auch Soli hatten, aber doch mehr im Hintergrund agierte. In Berlin habe ich eher fünf Künstler auf der Bühne gesehen, die zusammen etwas Einzigartiges erschufen, und jeder genug Raum zur Entfaltung hatte. Klar, waren sie auch gestern gut, aber doch auf eine eher zurückhaltende Art - als ob man uns nicht mit noch mehr Jazz "verschrecken" wollte - ja, das ist zugegeben arg überspitzt ausgedrückt. Dabei bin ich davon überzeugt, dass Fady mit einem unverwässerten Jazzprogramm auch mal ein anderes Publikum ansprechen könnte und würde (let's face it: wir Fandys sind treu, aber ein paar neue Gesichter wären doch mehr als wünschenswert!).



Es gibt uns, die Jazzliebhaber! Und falls Ralph hier lesen sollte: ich hab (wohl als einzige) bei der erwünschten Zugabe "Some Music" geschrieen - da ich das angejazzte Some Music liebe - aber ... allein auf weiter Flur :)) (und das mir als überzeugte Fire-Liebhaberin!). Und Fady: bitte bitte mach mehrgleisig weiter und schenke der Minderheit (?) noch einmal einen Blick in die "Neue Welt". Oder zweimal. Dreimal. Tausendmal.

Und damit alle sehen können, wie genial Fady gestern war - hier die Hamburger "No No No"-Fassung - erkennt man dennoch, was ich meine?




(by ameno)


*um den reibungsloser zu gestalten, wird die Kommentarfunktion - ausnahmsweise - mal moderationsfrei freigeschaltet - was aber nicht heißt, dass beleidigende Äußerungen Fady gegenüber geduldet werden; ihr dürft nur mich zur Schnecke machen :) )

Kommentare:

Flora hat gesagt…

Ich konnte leider nur in Berlin, bei der Premiere live dabei sein. Gestern hatte ich allerdings die Möglichkeit, das Konzert in Hamburg am Telefon anzuhören. Ich kann also die Atmosphäre vor Ort nicht beurteilen. Was mir aber sofort auffiel war, dass die jazzigen Elemente, die mich eine Woche vorher so zu Begeisterungsstürmen trieben, gestern offensichtlich sehr reduziert waren, ich habe sie schmerzlich vermisst.
Aber ganz ehrlich, nach all den Kommentaren im Chat, hatte ich nichts anderes erwartet.
Dass Fady mit diesem Jazz-Programm neue Liebhaber seiner Musik hinzu gewinnen könnte,steht außer Frage.
Einige Songs habe ich meinen Freunden vorgespielt und die waren sichtlich überrascht und beeindruckt.
Ich hoffe sehr, dass es neben den Pop-/Rock-Konzerten auch weiterhin Konzerte mit deutlichem jazzigen Einfluss geben wird.

Mara hat gesagt…

Ich war in Berlin nicht dabei, habe aber die Videos rauf und runter gehört und war begeistert.
Seit "Perfekt", meiner Meinung nach, der beste Song auf seinem ersten Album, wünsche ich mir mehr davon zu hören.
Mein Musikgeschmack ist breit gefächert und Jazz gehört eben auch dazu. Mir hat das Konzert in Hamburg sehr gut gefallen, wenn ich die Videos aus Berlin nicht gehört hätte, wäre ich sogar restlos begeistert gewesen. Aber leider hörte ich diesmal einen "weichgespülten" Jazz. Mir fehlten die prägnanten Soli der Instrumente, besonders des Saxophons,die eben zum Jazz dazu gehören.

Ich denke dass man damit die Kritiker nicht beschwichtigen kann, aber die Befürworter enttäuscht. Den Spagat zwischen Pop- und Jazzliebhabern auf diese Weise herstellen zu wollen, funktioniert nicht. Ich hoffe, dass wir in Zukunft noch in den Genuss von Jazz Konzerten wie in Berlin kommen, und jeder der sich eine Karte kauft weiß was ihn erwartet.

Anonym hat gesagt…

Angela 27
Ich kann meinen beiden Vorreednern nur zustimmen.Obwohl ich Hamburg live erlebt habe und das Berlin Konzert nur auf DVD hat mich Berlin noch mehr berührt . Fadys tiefen Töne , sein versunken sein in die Musik , seine Mimik und Gestik -er war eins mit der Musik . Wie auch immer diese Musik passt auch perfekt zu ihm und ich möchte ihn in der Zukunft weiter abwechslungsreich erleben Pianokonzerte , Fady und Band, Voice and Soul . Von dieser einzig gesunden Droge kann ich nicht genug bekommen

Anonym hat gesagt…

Angela27
Man streiche bei Vorrednern bitte ein e

Wiebke hat gesagt…

Im Gegensatz zu Berlin war ich in Hamburg nicht dabei und wage es nicht wirklich, ein "Urteil" nur nach Videoclips abzugeben.

Daher nur die eine Bemerkung: ich wünsche mir auch, daß Fady den Mut, den er in Berlin mit dieser Art Programm bewiesen hat, beibehält, und würde jede Art von "Weichspülung" bedauern. Ich habe diese Intensität geliebt.

Anonym hat gesagt…

Chavera (Claudia)

...und ich hatte schon gedacht, ich bin die einzige, die die Berlin-Premiere musikalisch gelungener fand! Ich war bei beiden Konzerten und hatte jeweils einen schönen Blick über die Menge. In Hamburg war zwar das Ambiente mehr nach Jazzclub-Art, statt dicht bestuhlt wie in Berlin. Doch da muss ich der Artikelschreiberin absolut zustimmen, die etwas abgespeckten Ecken und Kanten, die Jazzmusik allgemein auszeichnet und die noch in Berlin die Zuschauer zu spontanen Begeisterungsstürmen angespornt hatte, waren im Stageclub nur sehr spärlich wahrzunehmen. Es war weniger intensiv. Und trotzdem: wie immer Mega.

Anonym hat gesagt…

Möchte mich auch den Vorkommis anschließen. Ich kenne zwar beiden Konzerte nur von den Videos, aber auch ich habe das, was mich in Berlin so fasziniert hat, in Hamburg vermisst.

Außerdem denke ich auch, dass man damit die Kritiker nicht beschwichtigen kann, aber die Befürworter enttäuscht.

Ich hoffe auch, dass wir in Zukunft noch in den Genuss von Jazz Konzerten wie in Berlin kommen, und jeder der sich eine Karte kauft weiß was ihn erwartet.

Anonym hat gesagt…

Das sollte Fady viel mehr machen: Jazz, Swing, Soul, Oriental. ALLEINSTELLUNGSMERKMALE suchen und in den Vordergrund stellen.

Plastik-Pop haben wir im Land im Überfluss und um die Justin Bieber / Jonas Brothers Fankurve kann er sowieso nicht konkurrieren, er hätte es auch gar nicht nötig.

Nach zwei Jahren zum Teil turbulenter Orientierungsphase ist nun auch Fady (und der einsichtige Teil seiner Fanbase) bereit zu akzeptieren, dass er seinen Platz nicht über VIVA und BRAVO und THE DOME definieren kann/soll/darf/braucht, sondern es seine Aufgabe und Chance zugleich ist, jenes musikalisch anspruchsvolle und altersmäßig den Teens entwachsene Publikum zurückzugewinnen, das damals wegen ihm - und nur ihm - sich den Unterschichtensender RTL mitsamt dem schleimig-glitschigen Schreyhals angetan hat.

Er sollte diesen jetzt eingeschlagenen Weg verfolgen, aber eben diesmal mit Konsequenz und Ausdauer. Und OHNE auf die unheilige Allianz aus Zahnspangen und Stützstrümpfen, die Girlie-Großmütter-Koalition in seiner Fanbase über Gebühr Rücksicht zu nehmen. Frauen und Männer mittleren Alters braucht er und die kriegt er, wenn er seine Talente nicht weiterhin versteckt. Sondern sie herzeigt. Er kann es ja! Du meine Güte, und wie er kann!

Anonym hat gesagt…

Ich kenne leider beide Konzerte nur von den Videos und den Berichten, und obwohl ich nun auch kein spezieller Jazz-Fan bin, bin ich der Ansicht, dass Fady besser "zweigleisig" fahren sollte, d.h. Mit dem Rockpop-Konzerten den grössten Teil der Fanbase "beglücken", sich mit den Jazz-Konzerten aber daneben auch einen Ruf, als ernst zu nehmenden Künstler aufbauen.
Das wird sich dann mit der Zeit auch auf den Pop Bereich auswirken, wenn er von unabhängigen Kritikern endlich als das wahrgenommen würde, was er ist: absolut einzigartig!

dreamdancer

Roxane :) hat gesagt…

Ich war in Hamburg dabei,und von diesem Konzert hin und weg.Wie es in Berlin wirkte,weiß ich nicht und werde mir auch nicht an Hand von Videos eine Meinung bilden.
Fady LIVE auf der Bühne gut gelaunt zu sehen und zu hören war in Hamburg jedenfalls ein Genuß :).....kann man nur empfehlen :)

Anonym hat gesagt…

Ich war auch leider nur in Hamburg dabei und möchte mir anhand der Videos von Berlin kein Urteil erlauben, da die Live Atmosphäre immer anders ist.

Aber zu Hamburg kann ich nur sagen, dass es für mich ein einzigartiges Erlebnis war, wovon ich gerne mehr hätte.

Anonym hat gesagt…

Mimi
ich war auf beiden Konzerten und beide haben mir gefallen. In Berlin war es mehr ein Lauschen, ein Sich-Reinfühlen in diese Jazz-Dimension.. ein intensives Nachspüren einer Welt, die Fady mit uns teilen wollte.. in Hamburg gefiehl mir das Ambiente besser ,das Miteinander... ich horche gerade in mich hinein...ja Berlin war berührender, aber Hamburg war für mich persönlich mitreissender...ich kann es nicht definieren. und "Fire" in der Jazz-Version ist für mich einfach der Knaller!! deshalb würde ich immer wieder "Fire" wünschen ...auf jeden Fall möchte ich nicht mehr auf die Voice and Soul Konzerte verzichten.. "Perfect " war und ist neben Blessed mein Lieblingslied auf dem ersten Album.. diese Musikrichtung passt einfach zur Fadys souligen Stimme ..ich hoffe die Zukunft beschert uns viele Pop/Akustik/Jazz-Konzerte von diesem Künstler mit den vielen Facetten

ganzblau hat gesagt…

Wie es scheint, werden die Voice&Soul-Konzerte in dieser Form nicht weitergeführt. Schade ... es ist eine Facette, die wunderbar zu Fady, seiner Stimme - und natürlich zu seiner kosmopolitischen Backstory - gepasst hat.

Ralph Graessler wird als Arrangeur der Konzertreihe sowie als Gründer und Bassist der Band GrooveUnit Fadys Werdegang nicht weiter begleiten. Ich stehe bestimmt nicht alleine, wenn ich ihm auf diesem Weg ein herzliches "Dankeschön" aussprechen möchte für die behutsame und unaufdringliche Fassung des "Rohdiamenten" Fady Maalouf über die letzten eineinhalb Jahre.

Alles Gute, Ralph!