Freitag, 13. Mai 2011

Fady in Wien oder: Die Schuhe müssen zum Ohrring passen

Tu felix Austria - Vindobonum - du hast nicht nur Koalas und Klimts, sondern warst vergangenes Wochenende auch Gastgeber eines ganz besonderen Konzertes: Fady war endlich mal wieder in Österreich. Nur Fady und Piano - na gut - ein wenig Halbplayback war auch dabei. Von mir aus hätte es bei Fadys phänomenaler Stimme unter der einfühlsamen Begleitung von Ric Engelhardt bleiben können, aber - der "Chef" hatte anders entschieden :) .

Aber von Anfang an: Nach einer viermonatigen selbst auferlegten Konzertpause flog ich am Freitag mit gemischten Gefühlen nach Wien. Würde es mir gefallen, mich Fadys Stimme wieder gefangen nehmen, die Musikauswahl begeistern? Ich gestehe: Tiktok und Dynamite zu Silvester (Lieder, die, so einfach gestrickt, meiner Meinung nach Fadys Stimme in keinster Weise gerecht werden und somit sein wichtigstes "Kapital" - eben diese geniale Stimme fast schon flach, austauschbar erscheinen ließen), und die Ankündigung, zukünftig mehr in die Soulrichtung gehen zu wollen (und dann auch noch Songs von Stevie Wonder, den ich noch nie hören mochte), machten mir ein wenig Unbehagen. Nach wie vor bin ich glühende Verehrerin der Voice & Soul-Konzerte, vor allem die Songs in den unverfälschteren Berlinversionen. Auch sind die "äußeren Umstände" eines Fadykonzertes ja manchmal schwer zu ertragen - gefahrenvoller Einlass (ja, es gab wieder eine Treppe und mittendrin mussten sich alle auf der linken Hälfte zusammendrängen, weil die Rollifahrer recht spät eingelassen wurden), reservierte "VIP"-Plätze (die so besetzt werden, dass der "normale" Fan nur noch staunen kann - erst recht, wenn die "VIPs" das Konzert nicht wirklich verfolgen, sondern smsen, quatschen, aufstehen, rausrennen, wieder reinkommen, dann aber doch noch mal nach draußen gehen - immer schön vor den zahlenden Gästen entlang - im Wechsel mit der unsteten Security), Gezicke unter den einzelnen Fangruppen usw. usf. Aber mir war klar: für mich hatte sich Wien auf jeden Fall schon gelohnt - ein Tag im Tiergarten mit Koalas, live und in Farbe - ein zweiter Tag ganz im Zeichen von Gustav Klimt und einigen Gemälden von Feuerbach und Khnopff, die ich seit Jahren verehre und nun leibhaftig vor mir sah, barocke Prachtgärten und liebevoll angelegte Alpengärten - ich könnte stundenlang davon erzählen!

Zu Fadys Konzert allerdings kann ich eigentlich nichts schreiben, mir fehlen die Worte. Wie soll man davon berichten? Es gab zwei Songs, bei denen ich vergaß zu atmen - so intensiv. So mitreißend. So gefühlvoll. In jeder Note "der Fady, wie ich ihn liebe". Die Videos, die ich selbst drehte, fangen diese fast schon greifbare Intensivität nur unzureichend ein.
Gleich beim ersten Song stockte mein Herz - Fady war sofort da, musste sich nicht erst "einsingen", nein, die Autumn Leaves waren atemberaubend schön. Und so ging es weiter, jeder Song ein wahres Gefühlsfeuerwerk, eindringlich, zu Herzen gehend, ein völliges Eintauchen. Fady fühlte jede Silbe, die er sang, jede Textzeile. Und man mag es kaum glauben - Fady erzählte, dass er "ein wenig krank" sei , die Stimme etwas angeschlagen. Das kann doch nicht sein, dass Fady am besten ist, wenn er gesundheitlich nicht topfit ist! Das Konzert im Grünen Salon - für mich das Beste bisher und vielleicht nie einholbar - und nun der Reigen! Man ertappt sich ja fast schon beim Gedanken, dass .... NEIN! AUS!


Neu für mich waren Kiss und Fire mit Pianobegleitung. Ric ersetzt die gesamte Band und zwar so, dass nichts fehlt :) Überhaupt: es war, wie immer, eine Freude, das Zusammenspiel der beiden anzuschauen, sie sind perfekt aufeinander eingespielt und man sieht den Spaß, den ihnen die Auftritte machen. Leider konnte Fady "Caruso" an dem Abend nicht darbieten, weil er befürchtete, den Song nicht optimal singen zu können. (Und so endete der Pianoteil mit Vers les étoiles, mit abgeändertem Text - zumindest wurde mir das berichtet :) Ich war so versunken und habe nichts mitbekommen. Amenomodus halt).


Die angegriffene Stimme zeigte sich im zweiten Teil des Konzertes dann etwas stärker, klang sie doch etwas kratziger. Was aber beim Halbplayback nicht wirklich störte, denn alle Anwesenden sangen fleißig mit. Nun standen hauptsächlich Songs des zweiten Albums auf der Setlist - damit die erstmaligen Konzertbesucher seine Bandbreite hautnah mitbekommen können. Und wie ich gehört hab, waren sie begeistert, dass er so vielseitig ist - einige kannten das zweite Album offenbar noch gar nicht!! (Auch nicht seine charmanten Zwischenplaudereien über die Schwierigkeit, zum Ohrring passende Schuhe zu finden und dann darauf zu verfallen, sie mit Farbe einzufärben (!), über chinesisch/japanische Leuchtstäbe, über schlafende Aichas..... ). Und wie immer kam das Konzertende viel zu früh. Er war doch gerade erst auf die Bühne gekommen und die mehr als eineinhalb Stunden waren mal wieder gefühlte 10 min lang).


Zum Abschluss des Konzertes rief Fady Ric noch einmal auf die Bühne und mein zweiter Nicht-atmen-können-Song kam. Mit einem Stofftier (jaja, ich weiß. Was soll man machen?) im Arm (frisch ausgepackt) stimmte Fady Cry me a river an. Selbst die amüsanten Interaktionen mit dem Teddy lenkten Fady nicht ab von der totalen Hingabe - aber seht selbst.







(Fotos by g. schnoobs und ameno, Videos by ameno)

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Sehr schöner Bericht!
Danke.

Anonym hat gesagt…

Sehr schöner Bericht!
Danke.

Anonym hat gesagt…

Der Bericht bestätigt, was die Videos schon andeuteten - es muss wieder mal ein Konzert der Spitzenklasse gewesen sein!
Umso mehr freue ich mich auf Köln:)

dreamdancer

Wiebke hat gesagt…

Aaaah ! Wenn man dieses Konzert gar mit dem "Grünen Salon" (auch eins meiner Lieblings) vergleichen kann, bedaure ich es doppelt, nicht dagewesen zu sein... nun ja, man kann nicht alles haben. Aber ich habe jetzt eine ungefähre Vorstellung, danke schön für den bericht. (daß sich allerdings die Rumrennerei aus den vorderen Plätzen auch wiederholt hat, finde ich weniger schön.)

Mandy hat gesagt…

Wundervoll beschrieben. Chapeau!

Tina hat gesagt…

Fadys Konzert war eine gelungene Mischung seiner musikalischen Vielfalt.
Die wirkliche Intensität kommt aber leider auf Videos gar nicht so richtig rüber. Ich bin jedes Mal erstaunt, wenn ich sie mir ansehe, wie viel ergreifender es doch live ist. Man MUSS Fady einfach live erleben.
Ich bin froh, dass ich in Wien dabei sein konnte.

Im Übrigen fand ich alles gut organisiert. Der Einlass der Rolli-Fahrer war schon rechtzeitig. Da es aber leider nur einen Eingang gab und einige Fans schon sehr frühzeitig anstanden, ließ es sich nicht verhindern, dass man mit den Rollstühlen an wartenden Fans vorbei musste.

Flora hat gesagt…

Ach, ich vergesse schon beim Lesen zu atmen. Danke für Deinen wundervollen Bericht, ich wäre wirklich gerne dabei gewesen.
Fady live ist einfach unübertroffen, da reicht kein noch so gutes Video ran.

Anonym hat gesagt…

Wer so fein und kritisch beobachtet, dem glaube ich alles! Durch diesen Erlebnisbericht habe ich Impressionen bekommen, die mich an den Ort des Geschehens versetzt haben, wofür ich sehr dankbar bin! Auch wenn mein Herz, wegen des nicht dabei gewesen seins, nun Trauer trägt. Mein Trost sind die Videos und Fotos.
Liebe Autorin, du hast Fady beschrieben, wie ich ihn empfinde und in Garching, dem Grünen Salon und zuletzt am Sonntag im Tempodrom erlebt habe.
Mögen deine Worte auch die Unsensiblen der ersten Reihen erreichen, die sogenannten VIPs, die sich den Künstlern und anderen Besuchern gegenüber so rücksichtlos verhalten haben.

Alster

Anonym hat gesagt…

Herzlichen Dank für diesen anschaulichen und liebevollen Bericht und die Videos der - meiner Meinung nach - besten Songs dieses Abends. Das muss live wundervoll gewesen sein.
Mit "Cry me a river" hat sich Fady selbst übertroffen, das ist für mich eine seiner besten Interpretationen... nicht nur wegen des süßen Teddys, sondern vor allem wegen des Ausdrucks in Fady Stimme und in seinem Gesicht, einfach zum Verlieben :)

stromschlag